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Vom Zusammenspiel der fünf Kräfte

spagyrik & alchemie Apr 12, 2022

Die Elementarkräfte Erde, Wasser, Luft und Feuer sind uns gut bekannt. Das fünfte, der freie Raum oder Äther, wird dabei oft übersehen. In diesem Artikel geht es um das Zusammenspiel der fünf Kräfte, die sich im Naturganzen ausdrücken, in Stern und  Blume, Mensch, Tier und Stein.

Shen Nung, ein Urvater der Heilkunst aus dem alten China, wies darauf hin, dass der Leib des Menschen aus den fünf Elementen zusammengesetzt ist. Die Aufgabe des Heilkundigen ist es, alle fünf in Harmonie zu halten oder diese, wo sie gestört ist, wieder herzustellen. Hier sei nun kurz der Elementarreigen der fünf Kräfte skizziert:

Eine Elementarkraft geht der Natur gemäß aus der anderen hervor. Dies wird meist “Hervorbringungszyklus”genannt. Starten wir den Reigen (im Uhrzeigersinn) beim Feuer auf der rechten Seite. Ich nenne auch die zugehörigen Planetenkräfte beim Namen.

Wir können zwei Hälften unterscheiden, die rechte als feurig-trocken, die linke als feucht und kalt. Beginnen wir ganz oben:

Das obere Feuer ist solar und strahlend. Das heiße, martiale Feuer reduziert die Materie und verdichtet sie bis hin zur Asche, sodass das Unverbrennliche als “Sal”, als Erde, erkaltet und am Boden bleibt.

Diese trockene Erde hungert nun - nach dem Prinzip der Polarität - nach der Wässrigkeit. Salz ist hygroskopisch; es zieht Wasser an sich. Die zugehörige Planetenkraft ist Saturn, der durch Mond (Wasser) sich wandelt. Das Element Erde verliert dabei seinen trockenen und harten Charakter und wird fruchtbar und weich. Es ist nun imstande das Element “Luft” hervorzubringen, d.h. den Ausdruck etwas Beweglich-Lebendigen (Merkur). Der Samen, der in feuchter Erde aufbricht und keimt und grünt, kann uns ein Bild hierfür sein. 

In der taoistischen Tradition heißt es: die Niere regiert das Wasser, die Lunge (“Luft”) aber kontrolliert die Wasserwege. Das Element Luft bringt schließlich “Wasser” hervor. Wir können ein “hohes”, in den Äther reichendes Wasser von dem “schweren” Wasser unterscheiden. In der Heilpflanzenkunde ist ein solches erdnahes Wasser z.B. im Frauenmantel und anderen Kräutern mit starken Venuskräften erlebbar.

Im fünften Element, dem Äther, in höchster Position, liegt der Ursprung der beiden polaren Hauptkräfte von Sonne und Mond bzw. Feuer und Wasser. Hier schließt sich der Kreis, bzw. er beginnt von Neuem mit der strahlenden Sonne, die in der tieferen Position als heiße Feuerkraft “Erde” hervorbringt.

Eine kleine Bemerkung für alle, die mit den chinesischen Heilsystemen vertraut sind. Äther wird dort als “Holz” bezeichnet und Luft mit “Metall”. Es ist unzweifelhaft, dass damit Gleiches gemeint ist. Wir müssen uns nur das Symbol für Äther und das Schriftzeichen für Holz vor Augen führen: Beide gehen aus drei gekreuzten Linien hervor. Heute würden wir sie als dreidimensionales Koordinatensystem begreifen, das die Bedeutungsfelder “Raum, Essenz oder auch Weltenbaum” umfasst. Wir können uns mit den Begriffen “Raum” oder “Achse” und dem Symbol des Weltenbaumes als Weltenachse dieser Frage nähern. Im Sanskrit heißt Äther ākāśa आकाश, was mit “freier Raum” übersetzt wird. Was “Raum” oder “freier Raum” bedeuten mag, wird ahnbar, wenn wir wirklich hören, was das heißt: In jedem Punkt ist alles da! Weltenbaum meint auch: Überall (das heißt: hier) ist die Mitte! Der Nabel der Welt ist “wirklich” in jedem Dorf, in jedem Haus, in jedem Ding. 

In der Literatur wird das fünfte Wesen auch als Quintessenz - also als Essenz der Vier - bezeichnet und ist als solches innerhalb der vier Elemente gegenwärtig. Als Äther oder Raum ist sie die verbindende Kraft, der lebendige und geistige Kern aller Dinge. Das Freilegen dieser Kraft ist das erklärte Ziel vieler spagyrischer Aufbereitungen. Damit, so hoffe ich, ist etwas neues Leben in dieses alte Wissen um die fünf Elemente gebracht.

Herzlich Christoph

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